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Informelles Lernen und ECVET

Lebenslanges Lernen und Mobilität zu Lernzwecken finden in einer zunehmenden Vielfalt von Umgebungen statt: formal, nicht-formal und informell sowie in verschiedenen Lernumgebungen und Ländern. Das Europäische Leistungspunktesystem für die Berufsbildung (ECVET) macht den Wechsel zwischen verschiedenen Ländern attraktiver, da es Anerkennung und Akkumulierung von Lernergebnissen ermöglicht, die während eines Aufenthalts in einem anderen Land erworben wurden. Da die Bewertungsverfahren auf Learning Outcomes zielen, ist es gleichgültig, ob die Lernergebnisse aus formalen, non-formalen oder informellen Lernprozessen stammen. Wie hoch der jeweilige Anteil formalen, non-formalen oder informellen ist, richtet sich nach Art und Ort des Lernaufenthaltes: in schulisch organisierten Gasteinrichtungen wird das formale Lernen überwiegen, in betrieblich organisierten das non-formale und informelle Lernen; Mischformen sind wahrscheinlich.

Validierung ist zentraler Bestandteil von ECVET, da sie die Verbindung der im Gastland erworbenen und dort bewerteten Lernergebnisse zu den Anerkennungs- und Zertifizierungsverfahren des Entsendelandes herstellt. Der gesamte ECVET-Prozess lässt sich in fünf Schritte unterteilen

Gastland Prozess Entsendeland
Valuierung Assessment of learning outcomes acquired by the learner  
Valuierung Awarding of credits  
Valuierung Evaluation of learning outcomes acquired abroad (including their allocation to credits, documentation and awarding of certificates) Valuierung
  Recognition of credits acquired abroad as parts of the qualification to be obtained Valuierung
  Awarding of a qualification in accordance with the regulations applied in the learner’s home country Zertifizierung

Quelle: Validierung im Mobilitäts-Kontext von EVET, Fietz, Le Mouillour, Reglin, 2007, S. 38

Die Valuierung kann als Zwischenstufe auf dem Weg zur Validierung betrachtet werden: Der Lerner legt während seines Lernaufenthaltes Prüfungen gemäß den im Gastland geltenden Vorschriften ab. Mit der Vergabe von Credits ist der Valuierungsprozess, der die Vergabe von Zeugnissen oder anderen Formen der Dokumentation der erzielten Lernergebnisse einschließen kann, abgeschlossen. Credits sind ein formalisiertes Bündel von Lernergebnissen, die transferiert werden.

Schritte 3, der Validierungsprozess, leistet die Feststellung des Entsprechungsverhältnisses der im ausland erzielten Lernergebnisse und der Qualifikationsstandards des Heimatlands Diese Evaluierung beruht auf der vom Gastland übermittelten Dokumentation und den vergebenen Kreditpunkten und mündet in die Anerkennung der im Ausland erworbenen Credits.

Die Ergebnisse dieses Schritts fließen entweder in das "Verfahren der Anerkennung" oder der "Vergabe eines Abschlusses" ein.  Welche Variante zum Zuge kommt, hängt von nationalen bzw. regionalen Gesetzgebungen und regelwerken ab, da die Schritte 4 und 5 im Heimatland des Lernenden stattfinden. Insbesondere die Stufe 5, die Vergabe eines Zertifikats "im Sinne eines offiziellen, von einer ausstellenden Stelle oder Behörde vergebenen Dokuments, das in Folge eines standardisierten Bewertungsverfahrens die Leistungen einer Person formal erfasst".
Quelle: CEDEFOP, 2008 c

In modifizierter Form lässt sich das ECVET-Modell auch auf die Übertragung von Lernleistungen innerhalb von Bildungssystemen von einer Lernumgebung in eine andere anwenden.
Quelle: Fietz, Le Mouillour, Reglin, 2007