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Hintergrund

Dass stetige Anpassung und Aktualisierung beruflichen Wissens und beruflicher Fertigkeiten unerlässlich sind – für den Einzelnen, für die Unternehmen und für die Volkswirtschaften – darf als unbestritten gelten: Einmal erworbene Kenntnisse und Qualifikationen reichen längst nicht mehr aus für ein ganzes Berufsleben, sie müssen angesichts beschleunigten technischen Wandels, immer schnelleren Innovationszyklen und geänderten betrieblicher Organisationsformen ständig erweitert und erneuert werden. Zunehmend legen Unternehmen Wert auf persönliche Fähigkeiten und Kompetenzen, die als Voraussetzung für die Ausübung jedweder beruflichen Tätigkeit als wichtig angesehen werden. Neben (fremd-)sprachlichen Fähigkeiten und Kompetenzen im Bereich ITC, stehen Soft-Skills wie Organisationsfähigkeit, Teamfähigkeit oder Anpassungsfähigkeit im Vordergrund. Das bedeutet auch, dass im Vergleich zu einem "Vorratslernen" in der Erstausbildung Lernformen immer wichtiger werden, die sich außerhalb der traditionellen Institutionen des Bildungssystems vollziehen. Erwerb und Anpassung von Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen finden zunehmend auf non-formalen Wegen, in Weiterbildungsseminaren oder im selbst-organisierten Lernen statt. Gleichzeitig wächst die Bedeutung des informellen Kompetenzerwerbs, der sich ohne explizite Lernabsicht im praktischen Handeln, vor allem am Arbeitsplatz, aber auch bei vielen anderen Gelegenheiten in Freizeit, Familie oder Ehrenamt vollzieht.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: zwischen 70 % und 90 % des beruflich relevanten Wissens und Könnens werden informell erworben. Dies hat beispielsweise auch die kanadische "Nal"-Studie gezeigt: "The NALL survey confirms that most adults' detectable individual and collective learning is comparable to an iceberg – mostly invisible at the surface and immense in its mostly submerged informal aspects."
Quelle: Livingstone 1999, S. 77

Dass die Ergebnisse non-formalen und informellen Lernens ermittelt, bewertet und schließlich nach allgemein anerkannten Standards anerkannt werden müssen, wenn "Lebenslanges Lernen" Realität werden soll, gilt in den europäischen Ländern ebenfalls als unumstritten: "Die Länder nehmen lebenslanges Lernen zunehmend ernst. Kaum ein Land wendet sich gegen die Bedeutung und Notwendigkeit der möglichst umfassenden Bewertung von Learning-Outcomes."
Quelle: CEDEFOP 2008a, S. 32, Übers. d. Verf.

Realität ist die Umsetzung von Verfahren der Validierung non-formalen und informellen Lernens jedoch noch lange nicht in allen Bildungssystemen Europas.

Stand der Umsetzung der Validierung in 32 europäischen Ländern

1. High degree BE DK EE FI FR IE NL NO PT SL RO ES UK
2. Medium degree AT CZ IS IT DE HU LT LU MT PL SW    
3. Low degree BU HR CY GR LV LI SK TR          
Quelle: CEDEFOP 2008a; Darstellung d. Verf.

Die Anstrengungen zur Förderung der Validierung non-formalen und informellen Lernens, wie sie von Seiten der europäischen Bildungspolitik unternommen werden, sind nicht neu: Validierung bestimmt die bildungspolitische Diskussion in Europa spätestens seit die europäische Kommission im Jahr 2001 in ihrer programmatischen Schrift "Einen europäischen Raum des lebenslangen Lernens schaffen", der "ein umfassendes neues europäisches Konzept der Lernbewertung, dem das Recht auf Freizügigkeit in der EU zugrunde liegt..." (EUROPÄISCHE KOMMISSION, 2001) ins Leben gerufen hat. Mit den "Gemeinsamen europäischen Grundsätze für die Ermittlung und Validierung von nicht-formalem und informellem Lernprozessen" (EUROPÄISCHE KOMMISSION, 2004) wurde 2004 ein Set von Kriterien aufgestellt, das mittlerweile in den "European Guidelines for Validation non-formal and informal learning" (EUROPÄISCHE KOMMISSION, 2009) aktualisiert wurde. Seit 2004 wird der aktuelle Stand der Validierung non-formalen und informellen Lernens in den 32 in den Kopenhagen Prozess einbezogenen europäischen Ländern ermittelt und in dem "European Inventory" festgehalten.

Neu ist allerdings die Situation, in der die Bildungssysteme Europas sich 2009 befinden: Die Entwicklung und Umsetzung der europäischen Transparenz-Instrumente – der Europass, das Europäische Creditsystem für die berufliche Bildung (ECVET) und der Europäische Qualifikationsrahmen für Lebenslanges Lernen (EQF) – ist inzwischen fortgeschritten und bestimmt die Europäische Bildungspolitik.

In 30 der 32 in den Kopenhagen-Prozess einbezogenen europäischen Ländern sind gegenwärtig Anstrengungen im Gang, übergreifende Nationale Qualifikationsrahmen (NQF) zu schaffen, bzw. bereits existierende NQF auf den EQF zu beziehen. Damit verbunden ist überall in den europäischen Bildungssystemen ein „Shift to learning Outcomes“ (CEDEFOP 2008b) – eine zunehmende Orientierung an den Lernergebnissen an Stelle von Curricula und Lernprozessen – wahrzunehmen, der auch Wirkungen auf den Stellenwert der Validierung non-formalen und informellen Lernens haben wird.