
Gesetzliche Regelungen zur Erwachsenenbildung bestehen in Österreich nicht. Der Markt für berufliche Weiterbildungen wird nach wie vor von den Sozialpartnern nahe stehenden Instituten geprägt. Während die privaten Weiterbildungseinrichtungen vorwiegend punktuelle Fertigkeiten und Kompetenzen vermitteln (EDV, Sprachen, Kaufmännisches), führen die Kurse der sozialpartnerschaftlich gebundenen Institute eher zu einem staatlich anerkannten formellen Abschluss.
Insgesamt ist in Österreich nicht nur der Erstzugang zum tertiären Bildungssektor flexibler geregelt als in Deutschland. Auch für das „Nachholen“ versäumter Bildungsbausteine bieten sich mehr Gelegenheiten durch schulische Berufsbildungsgänge für Erwachsene und Berufstätige. Mit ihrer Absolvierung können die Abschlüsse und Berechtigungen Berufsbildender Mittlerer Schulen (BMS) und Berufsbildender Höherer Schulen (BHS) erworben werden („Sonderformen“).
BHS-Sonderformen
BHS für Berufstätige setzen den positiven Abschluss der Pflichtschule voraus und dauern vier bis fünf Jahre. Sie schließen mit der Reife- und Diplomprüfung ab.
Kollegs richten sich in erster Linie an Absolventinnen und Absolventen allgemein bildender höherer Schulen (Matura). Sie werden in einer modular gestalteten zweijährigen Tages- und meist dreijährigen Abendform angeboten und schließen mit einer Diplomprüfung ab.
Aufbaulehrgänge dauern in der Regel drei Jahre und führen BMS-Absolventen zur Reife- und Diplomprüfung der entsprechenden BHS.
BMS-Sonderformen
Diese Bildungsgänge werden auch von den Weiterbildungsträgern der großen Sozialpartner angeboten.
Werkmeisterschulen für Berufstätige ermöglichen eine berufliche Höherqualifizierung nach Absolvierung einer Berufsausbildung (Lehre, BMS) im technisch-gewerblichen Bereich. Sie dauern zwei Jahre und berechtigen zur Ausbildung von Lehrlingen. Nach vierjähriger Tätigkeit eröffnet sich die Möglichkeit zur Selbstständigkeit in einem einschlägigen Handwerk.
Meisterschulen dienen der fachlichen Weiterbildung. Sie dauern ein bis zwei Jahre und setzen in der Regel eine abgeschlossene Berufsbildung bzw. eine mehrjährige Berufspraxis voraus.