
Nach dem Ende der Hauptschule oder der AHS-Unterstufe ist vor Beginn einer Lehrausbildung obligatorisch ein Jahr in der Polytechnischen Schule zu absolvieren. Diese einjährige Schule vermittelt umfassendes Überblickswissen in berufspraktischen Fächern. Betriebsbesuche und betriebspraktische Tage in Lehrwerkstätten sollen Einblicke in die Ausbildungs- und Berufswelt eröffnen, die die Wahl eines passgenauen Lehrberufs unterstützen.
Im polytechnischen Jahr belegt jeder Schüler einen bestimmten Fachbereich als Schwerpunkt. Zur Auswahl stehen Metall, Elektro, Bau, Holz, Handel/Büro, Dienstleistungen und Tourismus. Im Rahmen der Schulautonomie kommen weitere Fachbereiche hinzu (z. B. Informationstechnologie, Mechatronik). Die speziellen Berufseinstiegschancen in der Region können damit berücksichtigt werden.
Mit dem verpflichtenden Polytechnischen Jahr zum Abschluss der allgemeinen Schulpflicht ist Österreich dem deutschen dualen System in der Berufsvorbereitung einen Schritt voraus. Der so dringende Kontakt zwischen Schule und Wirtschaft, der in Deutschland durch verschiedene Initiativen und geförderte Modellprojekte erst hergestellt werden soll, ist im Nachbarland institutionalisiert und seit Jahren bewährt.
Im Anschluss an das Polytechnikum beginnt die Lehrlingsausbildung, die in ihrer Kombination aus Berufsschultagen und praktischer Lehre in Ausbildungsbetrieben sehr eng mit dem deutschen dualen System verwandt ist.
In ausbildenden Betrieben werden 80 Prozent der Lehrzeit verbracht, in den die Lehre begleitenden Berufsschulen 20 Prozent. (Grundmuster: Vier Tage im Betrieb plus ein Berufsschultag wöchentlich). Die Vermittlung berufsspezifischer Fertigkeiten und Kenntnisse findet in den Ausbildungsbetrieben statt. Die Vermittlung fachtheoretischen Grundwissens und Beiträge zur Allgemeinbildung leisten die Berufsschulen.
Die betrieblichen Lernprozesse werden von Ausbildern betreut, die berufsschulischen von Fachlehrern.
Die Lehrzeit beträgt je nach Ausbildungsberuf zwischen zwei und vier Jahren und mündet in die Lehrabschlussprüfung.
Im Jahr 2005 haben rund 40 Prozent der Jahrgangsgruppe eine Lehre begonnen.
Achtung! Die Lehrabschlussprüfung ist analog zur deutschen Facharbeiterprüfung zu bewerten. Der Ausdruck Facharbeiterprüfung wird in Österreich nur für Lehrabschlüsse in der Land- und Forstwirtschaft verwendet.