
Das irische Bildungssystem kennt keine deutliche Abgrenzung zwischen beruflicher Erst-ausbildung und beruflicher Weiterbildung. Vielmehr wird zwischen den drei Gruppen Jugendliche/ junge Erwachsene (hierzu zählen auch Schüler und Studenten), Arbeitslose und Beschäftigte unterschieden. Priorität genießen bei allen Maßnahmen der Erwachsenenbildung benachteiligte Personen mit niedrigem Bildungsstand. Angebote für Beschäftigte werden fast komplett durch die Unternehmen getragen, die zu diesem Zweck Unternehmensnetzwerke wie das 1999 ins Leben gerufene Skillnets gegründet haben, um den Weiterbildungsbedarf ihrer Beschäftigten gemeinsam zu bewältigen. Zu diesem Zweck existieren auch Kooperationen von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften.
Die Vocational Education Committees (VEC’s) decken eine große Bandbreite an allgemeinbildenden Maßnahmen ab, die von Alphabetisierungskursen und Post-Leaving-Certificate-Kursen bis hin zu Weiterbildung für Gefängnisinsassen und Obdachlose reichen. Ziel dieser Angebote ist es in erster Linie, sozial Benachteiligte für das Arbeitsleben fit zu machen. Obwohl die offizielle Analphabetenquote in Irland bei nur einem Prozent liegt (und damit so hoch ist wie auch in Deutschland), fand die OECD im Jahre 1997 heraus, dass es in Irland überdurchschnittlich viele Personen mit gravierender Lese- und Rechtschreibschwäche gibt. Im Ranking hatte Irland einen der höchsten Anteile an Personen, deren Lesekompetenz auf dem untersten Niveau der OECD-Punkteskala anzusiedeln war. Daher ist das Adult Literacy Scheme (etwa: „Programm zur Alphabetisierung Erwachsener“) zu einem der wichtigsten VEC-Programme geworden.
Die FÁS deckt im Wesentlichen die berufliche Weiterbildung von Arbeitslosen ab. Es gibt maßgeschneiderte Programme für die unterschiedlichsten Zielgruppen wie etwa Frauen, die wegen der Kindererziehung dem Arbeitsmarkt länger nicht zur Verfügung standen oder Arbeitslose, die sich selbständig machen wollen. Außerdem bietet die FÁS so genanntes Community Employment an. Hierbei bekommen Beschäftigungslose für ein Jahr eine Teilzeitstelle in einer gemeinnützigen Organisation, die eine projektbezogene Ausbildung beinhaltet. Für Langzeitarbeitslose, die über 21 Jahre alt sind, bietet die FÁS ein Vocational Training Opportunities Scheme (etwa: „Berufsbildungschancen-Programm“) an. In einer ein- bis zweijährigen Ausbildung werden den Teilnehmern grundlegende allgemeine und berufliche Fertigkeiten beigebracht. Während der Maßnahme erhalten sie eine Ausbildungsbeihilfe und sind sozialversichert. Es können FETAC-Abschlüsse, sowie Junior und Leaving Certificates erworben werden.
Die Initiative Back to Education („Zurück auf die Schulbank“) richtet sich neben Erwachsenen, die ins Berufsleben zurückkehren wollen, auch an Arbeitnehmer, die sich parallel zu ihrer Berufstätigkeit fortbilden möchten. In erster Linie spricht das Programm Personen mit dem Abschluss der Sekundarstufe II an und bietet dementsprechend höhere Bildungsgänge an. Schwerpunkt dieses Angebotes sind technische Berufe. Die Kurse sind nur für Sozialhilfeempfänger kostenfrei; alle anderen entrichten gestaffelt nach Bildungsstand und Einkommen Gebühren (ein Arbeitsloser mit einem Bildungsstand unterhalb der Sekundarstufe II hat bspw. nur 70 Prozent der Kursgebühr zu entrichten).