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Bildungsweg Alternanz

Die Alternanz ist die Alternative zur vollzeitschulischen Ausbildung und ist in Frankreich relativ neu. Sie ist gekennzeichnet durch den regelmäßigen Wechsel (Alternieren) von Ausbildungsabschnitten, d.h. schulisches Lernen und Erfahrungslernen im Betrieb wechseln sich ab. Es gibt drei verschiedene Alternanzformen:

1. Erwerb von Zertifikaten
Diese Alternanzform schafft eine Art Pufferzone zwischen Betrieben und Wirtschaft. Durch Praktika oder Beschäftigungs- und Ausbildungsverträge können Jugendliche ohne Ausbildungsabschluss oder weiterführendes Diplôme eine zertifizierte Qualifikation erwerben. Ein solcher „Qualifikationsvertrag“ ist auf sechs bis 24 Monate angelegt, mind. 25 % der Zeit müssen der Ausbildung gelten. Das Unternehmen schließt hierbei mit der Ausbildungsstelle (der beruflichen Schule, Centre de formation d'apprentis, CFA) einen Vertrag über Ausbildungsziele, Lehrplan  und die Beauftragung betriebsinterner Tutoren ab.

2. Alternanz unter schulischer Verantwortung
Jugendliche werden in berufsqualifizierenden Vollzeitschulen (Lycée professionnels) ausgebildet und absolvieren Betriebspraktika. Seit 1985 können Jugendliche in zwei Jahren so das sog. Berufsabitur (Baccalauréat professionel) erwerben, wenn 25 % der Ausbildungszeit im Betrieb abgeleistet werden. Andere mögliche A¬schlüsse sind das Berufsbefähigungszeugnis (CAP) und der Berufsfachschulabschluss (BEP). Grundsätzlich haben die Praktika dabei einen relativ geringen Stellenwert.

3. Lehre (Apprentissage)
Die Lehre stellt das Gegenmodell zur schulischen Ausbildung dar. Hierbei schließt der Betrieb mit dem Jugendlichen einen meist zweijährigen Sondervertrag ab. Jugendliche unter 25 können auch mehrere Ausbildungsverträge hintereinander abschließen.

Zunächst muss dafür ein Unternehmen gefunden werden. Bei der Suche helfen die Kammern, die berufsbildende Schule, sofern bereits eine gewählt wurde oder das Arbeitsamt (Agence Nationale pour l'Emploi, ANPE). Danach wird – entsprechend dem gewählten Berufszeig – ein Ausbildungszentrum gesucht.

Beispielsweise kann eine alternierende Ausbildung zum „Mechaniker für landwirtschaftliche Geräte und Instandhalter öffentlicher Einrichtungen, Parks und Gärten“ absolviert werden, die zum einen Teil in einem Betrieb stattfindet und zum anderen in einem Ausbildungszentrum. Innerhalb dieses Ausbildungszweiges kann zwischen den Abschlüssen des Berufsabiturs, des Berufsausbildungszeugnises (BEP) und des Berufsbefähigungszeugnises (CAP) gewählt werden. Die Prüfung findet jeweils theoretisch und praktisch statt und setzt sich beispielsweise für das BEP wie folgt zusammen:

Grundsätzlich enthält der Auszubildende (alters- und ausbildungsjahrabhängig) einen gewissen Prozentsatz des gesetzlichen Mindestlohns. Neben der Arbeit im Betrieb lernen die Jugendlichen für den Facharbeiterabschluss mind. 400 Stunden pro Jahr in sog. Lehrlingszentren (Centre de formation d'apprentis, CFA), für höhere Abschlüsse entsprechend länger. Die Prüfungen beinhalten einen theoretischen und einen praktischen Teil.

Im Gegensatz zum deutschen Ausbildungsmodell können durch die französische Lehre keine spezifischen beruflichen Abschlüsse erworben werden, sondern nur allgemeine staatlich anerkannte Diplome wie technologische Diplome, der Berufsfachschulabschluss, das Berufsabitur oder höhere Zertifikate. Dies bietet grundsätzlich große Chancen für Berufseinsteiger. Daher soll die Lehre mehr gefördert werden; für 2008 strebt Frankreich eine Zahl von 500 000 Auszubildenden an (2003 waren es 363 000).

Finanziert wird die Lehre über eine Lehrlingssteuer der Betriebe (0,5 % der Bruttolohnsumme), die dem Staatshaushalt oder direkt den Ausbildungszentren zukommt. Kleine Unternehmen sind davon befreit. Zusätzlich wird die Lehre u.a. durch Gelder der Regionen subventioniert.

Die Lehre besitzt in Frankreich einen relativ geringen Stellenwert. Vor einigen Jahren wurde sie hauptsächlich von kleinen Unternehmen im Bereich des Handwerks und Tätigkeiten mit schlechten Arbeitsbedingungen angeboten, was dazu führte, dass rund ein Viertel der Auszubildenden die Lehre abbrachen. Lange Zeit kam sie daher nur für Geringqualifizierte in Frage.

Durch die inzwischen geschaffene Möglichkeit auch höherwertige Zertifikate wie zum Beispiel das Berufsabitur zu erwerben, bessert sich dieser Zustand langsam.