
Dänemark ist im Bereich der Erwachsenenfortbildung eines der führenden Länder: Im akademischen Jahr 2005/2006 nahmen über eine Million Dänen an Maßnahmen der Erwachsenenbildung teil. Der öffentliche Sektor spielt hierbei als Anbieter eine große Rolle, jedoch haben private Dienstleister wie interne Personalabteilungen oder auch Beratungsfirmen in den letzten Jahren stark zugelegt. Die dänischen Firmen haben ihre Ausgaben für Weiterbildung der Mitarbeiter in den letzten Jahren erhöht. Den Haupttyp der Erwachsenenbildung bilden jedoch nach wie vor solche Ausbildungsgänge, die von Berufskollegs oder Arbeitsmarkttraining-Centern und für Berufstätige angeboten werden. Daher ist auf Regierungsebene das Bildungsministerium für diesen Bereich zuständig. Ebenso sind die Sozialpartner eingebunden und entscheiden mit, wenn es um die Ziele und Inhalte sowie die Dauer der Weiterbildungen geht. Erstmals als bedeutend angesehen wurde berufliche Weiterbildung für Erwachsene Ende der 50er Jahre, als Dänemark den Wandel von einer landwirtschaftlich geprägten hin zu einer industriellen Gesellschaft verkraften musste. Heute gibt es mehr als 2800 Programme aus allen beruflichen Bereichen. Etwa zwei Drittel aller Teilnehmer wählen Lehrgänge aus dem technischen oder kaufmännischen Zweig, dem Dienstleistungs- oder Pflegesektor oder dem Sozialwesen. Das übergeordnete Ziel der Erwachsenenbildung besteht neben dem Erhalt und der Erweiterung der Fähigkeiten der Berufstätigen in der schnelleren Anpassung der Arbeitskräfte an Änderungen im Arbeitsmarkt. Alle erzielten Abschlüsse aus der Weiterbildung werden vollständig als qualifizierende Abschlüsse anerkannt.
In den letzten Jahren richtete sich der Fokus mehr und mehr auf den Teil der Bevölkerung, der niedrig qualifiziert oder ungelernt ist, sowie auf Analphabeten, Migranten und Ältere. Durchschnittlich zählen 34 Prozent der Teilnehmer zu den gering qualifizierten Arbeitskräften. Auch Arbeitslose haben einen sechswöchigen Anspruch auf berufliche Weiterbildung. Die Palette der Angebote reicht vom Nachholen des Abschlusses der „Folkeskole“ oder Sekundarstufe II bis hin zu bestimmten Trainigskursen für Arbeitslose. Grundsätzlich kann jeder teilnehmen, der entweder seinen Wohnsitz in Dänemark hat oder dort arbeitet. Die einzelnen Lehrgänge dauern zwischen einem halben Tag und sechs Wochen. Die durchschnittliche Dauer beträgt eine Woche. Finanziert werden die Programme ganz oder teilweise durch den Staat.
Neben den Programmen der Weiterbildung gibt es die berufliche Erwachsenenbildung mit vier Qualifikationsstufen, die aufeinander aufbauen, jedoch auch separat abgelegt werden können. Dieses 1992 eingeführte System ist gleichberechtigt neben dem Erstausbildungssystem und führt zu den gleichen Abschlüssen.
Die Erwachsenengrundbildung dauert eineinhalb Jahre und soll neben der Entwicklung beruflicher und persönlicher Fähigkeiten der Teilnehmer vor allem sicherstellen, dass diese Kompetenzen in einem Berufsfeld nachweisen können. Der Abschluss ist dem der Sekundarstufe II vergleichbar. Voraussetzung ist der Abschluss der „Folkeskole“ in den für die Fortbildung relevanten Fächern. Die Erwachsenenweiterbildung ist nach einem weiteren Jahr abgeschlossen und führt zu Qualifikationen auf der Ebene des mittleren Managements und ist vergleichbar mit der Qualifikation eines Kurzzeitstudiums. Hierfür ist es notwendig, den Abschluss der Sekundarstufe II oder den Abschluss der Erwachsenengrundbildung vorweisen zu können. Nach einem weiteren Jahr hat man das Berufsabschluss- oder Diplomprogramm absolviert, das einem Studium mittlerer Dauer entspricht und hoch qualifizierte Tätigkeiten ermöglicht. Der Abschluss eines einschlägigen Kurzzeitstudiums oder das Bestehen eines Eingangstests ist hier Voraussetzung. Den höchsten Abschluss im Rahmen der Erwachsenenbildung erzielt man mit dem Masterprogramm. Dieses kann zwischen einem und eineinhalb weiteren Jahren dauern, bietet eine wissenschaftliche Ausbildung und befähigt die Teilnehmer zur Übernahme hoch qualifizierter Positionen. Der Abschluss ist äquivalent zu einem Vollstudium. Voraussetzung hierfür ist ein abgeschlossenes Bachelor- oder Diplomstudium. Erwachsenenweiterbildung, Diplom- und Masterkurs enden mit einer benoteten Projektarbeit. Nach erfolgreichem Abschluss erhält der Teilnehmer ein Zeugnis. Dies berechtigt ihn zum Tragen desselben Titels, wie er im Erstausbildungssystem vergeben wird.
Das System der Erwachsenenbildung

Quelle: Undervisningsministeriet (Dänisches Bildungsministerium).
In den ersten sechs Jahren durchliefen 6000 Teilnehmer das Programm. 2002 hatten bereits 94800 Personen teilgenommen. Diese Zahl soll vor allem angesichts des demografischen Wandels, von dem auch Dänemark herausgefordert wird, angehoben werden. Viele Arbeitskräfte lassen sich von fehlenden finanziellen Anreizen abhalten oder empfinden die Jugendkultur an den Berufskollegs, wo eine große Zahl der Lehrgänge abgehalten wird, als abschreckend.