
Grundsätzlich ist die berufliche Ausbildung in Dänemark nur in Form der Lehrlingsausbildung möglich. Voraussetzung für den Zugang zum beruflichen Bildungssystem ist der Abschluss der „Folkeskole“, in einzelnen Fällen können Zugangstests abgehalten werden. Neben der allgemeinen Berufsausbildung, die einen Großteil der Ausbildungsberufe umfasst, gibt es noch eine spezielle Ausbildung für Tätigkeiten im sozialen und im Pflegesektor sowie eigene Lehrgänge für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Schifffahrt und Hauswirtschaft.
Die allgemeine Berufsausbildung ist durch das duale Prinzip charakterisiert: Da neben berufsspezifischen Kenntnissen auch allgemeines Wissen vermittelt werden soll, findet die Ausbildung sowohl in einer Berufsschule als auch in einem Ausbildungsbetrieb statt. Die Herausbildung persönlicher Fähigkeiten spielt eine bedeutende Rolle, um die jungen Menschen fit für den Arbeitsmarkt zu machen und ihnen ein selbstbestimmtes Leben in einer demokratischen Gesellschaft zu ermöglichen. Die Ausbildungsgänge dauern zwischen zwei und fünf Jahren, durchschnittlich verbringen die Lehrlinge dreieinhalb bis vier Jahre in der Ausbildung. Wer über 25 Jahre alt ist und bereits Berufserfahrung gesammelt hat, kann ver-kürzen. Die große Mehrheit der Schüler, die sich in einer Berufsausbildung befinden, ist jedoch zwischen 15 und 20 Jahren alt. Nach dem Abschluss, der meist in Form einer Gesellenprüfung stattfindet, können die Absolventen direkt als qualifizierte Arbeitskräfte ins Berufsleben eintreten. Etwa drei Viertel aller Absolventen tun dies auch, 13 Prozent schließen eine weitere Ausbildung an und 10 Prozent entscheiden sich für höhere Bildung wie etwa das so genannte Kurzstudium, für das die meisten Ausbildungsgänge qualifizieren.
Seit der Reform aus dem Jahr 2000 besteht die berufliche Ausbildung aus zwei Teilen: Das Basisprogramm findet komplett in der Schule statt und das Bestehen ist Voraussetzung für das anschließende Hauptprogramm. Das Basisprogramm für technische Berufe dauert zwischen 20 und 60 Wochen, das kaufmännische Programm dauert zwischen 38 Wochen und zwei Jahren. Alle Basisprogramme schließen mit einem Zertifikat ab, das angibt, welche Fächer auf welchem Niveau studiert wurden. Dieses erlaubt den Übertritt zu einer oder auch mehreren Spezialisierungen im Hauptprogramm. Neben berufsspezifischen werden auch allgemein bildende Fächer wie Dänisch, Englisch und Naturwissenschaften gelehrt. Es gibt etwa 115 Berufskollegs in Dänemark, die sich entweder auf kaufmännische oder technische Berufe spezialisiert haben oder beides gemeinsam anbieten, sowie eine gewisse Zahl landwirtschaftlicher Schulen und weiterer spezialisierter Einrichtungen. Mit Beginn des Schuljahres 2008/09 wurde eine neue Struktur der Ausbildungsprogramme eingeführt, die es den Lehrlingen ermöglicht, zwischen zwölf Fachgebieten zu wählen. Im Hauptprogramm werden 85 Spezialisierungen angeboten. Die zwölf Ausbildungswege sind:
Während kaufmännische Lehrgänge sich meist durch eine sehr allgemeine und theoretische Herangehensweise beschreiben lassen, sind die technischen sehr praxisorientiert mit häufigem Unterricht in der Werkstatt. Sollte ein Schüler nach dem Ende der Basisausbildung noch unsicher bezüglich seiner Spezialisierung sein, kann die schulische Phase verlängert werden. Die Lehrpläne werden selbständig in den jeweiligen Berufsschulen erstellt, wobei es einen staatlich gesetzten Rahmen gibt, der einzuhalten ist. Die dänischen Berufsschulen sind selbständige öffentliche Einrichtungen, die erfolgsabhängig finanziell vom Staat unterstützt werden. Über ihr Budget können sie völlig autonom verfügen. Allgemein nimmt das dänische Berufskolleg also einen sehr hohen Stellenwert in der beruflichen Bildung ein. Die Ausbildung ist ebenfalls in einem der landesweit verteilten Arbeitsmarkttraining-Center möglich. Hier finden jedoch vor allem kurze Ergänzungskurse zur regulären Ausbildung statt.
Das Hauptprogramm startet mit einer Phase betrieblicher Ausbildung; danach wechseln sich schulische und betriebliche Phasen ab. Meist findet die Lehre in nur einem Betrieb statt, der vom Handelskomitee als Ausbildungsbetrieb anerkannt wurde. Voraussetzung dafür ist ein bestimmtes Niveau an Technologie sowie die Möglichkeit, dem Auszubildenden eine große Bandbreite an Aufgaben und Tätigkeiten zu zeigen. Gegen Zahlung eines Lohns wird der Auszubildende angestellt. Besteht der Lehrling seine Gesellenprüfung oder einen vergleichbaren Abschlusstest ist die Ausbildung beendet. Ebenso fließt eine kontinuierliche Leistungsbewertung der Berufsschule in den Abschluss mit ein. Die Dauer eines Hauptkurses überschreitet dreieinhalb Jahre in der Regel nicht.
Aufgrund eines konstanten Lehrstellenmangels in Dänemark ist es seit 1992 möglich, den betrieblichen Teil der Ausbildung ganz oder teilweise im Ausland zu absolvieren. Dabei findet die schulische Ausbildung in Dänemark statt. Ein Austauschprogramm finanziert den Auszubildenden Reisespesen zum Vorstellungsgespräch sowie die Hälfte der Mietkosten im Ausland und das Ablegen der Gesellenprüfung. Die Lehrinhalte im ausländischen Betrieb werden vollständig angerechnet. Etwa drei Viertel aller Auszubildenden, die sich für diesen Austausch entscheiden, gehen nach Norwegen, Großbritannien, Deutschland oder Schweden. Von 2000 bis 2005 ist die Anzahl der "Austausch-Azubis" von 1369 auf 1866 gestiegen.
Aus dem gleichen Grund kann eine berufspraktische Ausbildung komplett an einer Berufsschule abgelegt werden. Dies ist jedoch nur möglich, falls bei Ausbildungsbeginn oder während des Basisprogramms noch kein Ausbildungsplatz in einem Betrieb gefunden wurde. In diesem Fall zahlt der Staat dem Auszubildenden eine Unterstützung, bis dieser eine Lehrstelle gefunden hat und ein Lehrlingsgehalt erhält. Somit haben die Jugendlichen eine Garantie, das sie eine bereits begonnene Ausbildung in jedem Fall beenden können. Die Lehrinhalte sind mit jenen der normalen Ausbildung identisch, dennoch besteht eine Verpflichtung, sich weiterhin nach einer Ausbildungsstelle umzusehen. In den Jahren 2003 bis 2006 hat die Zahl der Ausbildungsverträge um 38 Prozent zugenommen, während die Zahl der Vollzeitschüler um 66 Prozent zurückging. Dies ist vor allem einer Beschränkung der Anzahl der möglichen Vollzeitschüler pro Ausbildungsgang zu verdanken. Die Maßnahme zwang sowohl Schüler als auch Arbeitgeber, Ausbildungsverträge abzuschließen.
Die Reform aus dem Jahr 2000 brachte neben der Änderung der Abfolge der Ausbildung (vorher wechselten sich schulische mit betrieblichen Phasen ab) einige Ansätze mit sich, die auf die Individualisierung der Lehrgänge und auf die Selbständigkeit des Auszubildenden abzielen.
Zu ersterem gehört vor allem die Möglichkeit, eine „Doppelqualifizierung“ und eine „Teilqualifizierung“ ablegen zu können. Eine „Doppelqualifizierung“ ist besonders für begabte Auszubildende sinnvoll, die zusätzlich zu ihrer regulären Lehre akademische Fächer studieren wollen, um sich für ein Studium zu qualifizieren oder ihre Ausbildung durch weitere Kurse erweitern und ergänzen möchten. Hierfür ist die Einwilligung des Lehrbetriebes notwendig, da dies die Ausbildung verlängert.
Jugendliche, die weniger Begabung als der Durchschnitt zeigen, können eine Teilqualifizierung ablegen. Dies bedeutet, dass nur Teile der Ausbildung vermittelt werden. Dies muss allerdings mindestens eineinhalb Jahre dauern und alternierend ablaufen. Auf diesem Wege ist es auch möglich, eine reguläre und möglicherweise abgebrochene Ausbildung zu vervollständigen.
Mit der zunehmenden Individualisierung der Bildungsgänge erhielt jeder Jugendliche seinen persönlichen Ausbildungsplan. Dieser ist neben Prüfungszeugnissen, Empfehlungen der Berufsschule, einer Kopie des Arbeitsvertrages und den Ausbildungsregeln im so genannten „Logbuch“ enthalten, das den Lehrlingen helfen soll, den Überblick über ihre Ausbildung zu behalten. Der dahinter liegende Gedanke ist, dass jeder Auszubildende selbst die Verantwortung für den erfolgreichen Abschluss seiner Lehre hat. Das „Logbuch“ dient als Nachweis des bereits Gelernten und erlaubt eine bessere Koordination der Inhalte.